Vom Dach der Welt bis ins Land der aufgehenden Sonne.

Tee wächst (fast) überall; ob am Fuße des Mount Everest, im down under und sogar in den schottischen Highlands  (ja, gibt’s wirklich) . Aber was für einen Unterschied macht die Herkunft des Tees? Kurz gesagt: einen großen.  Klima, Höhenlage, Infrastruktur und sogar die Mentalität der Menschen – alles hat auf kurz oder lang einen Einfluss auf den Tee.

Heute nehme ich euch mit auf eine Reise, denn es geht vom Dach der Welt bis zum Land der aufgehenden Sonne, anders gesagt: Von Nepal und Indien über China bis nach Japan. Also, schnappt euch eure liebste Tasse Tee und auf geht’s!

 

First Stop: Nepal.

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Foto © by TeeGschwendner Gmbh

Das kleine Land zwischen China und Indien ist nicht gerade für seinen Teeanbau bekannt; zu groß war die Konkurrenz aus den Nachbarländern. Allerdings gibt es gute Gründe, dem kleinen Land seine Beachtung zu schenken, denn in Zeiten in denen Teefarmer aus Darjeeling horrende Preise für ihre Produkte fordern, scheint Nepal allmählich eine gute Alternative zu den Kollegen aus Indien zu werden. Die nepalesische Stadt Ilam zum Beispiel liegt knapp 30 km Luftlinie entfernt von Darjeeling, bis auf eine etwas niedrigere Höhenlage ist das Klima identisch. Top Qualitäten, zum Beispiel aus dem Teegarten Jun Chiyabari, lassen sich mittlerweile mühelos mit Spitzentees aus China oder Indien vergleichen.

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Teefeld in der Stadt Ilam

Früher lag das Problem bei der schlechten Infrastruktur im armen Nepal. Teebauern hatten keine Möglichkeit, ihre Teeblätter im eigenen Land verarbeiten zu lassen und mussten ihre Ware für Spottpreise nach Indien verkaufen. Heutzutage gibt es aber auch im eigenen Land Fabriken, die Ernte der Bauern kann viel frischer verarbeitet werden und erzielt deshalb bessere Preise auf dem Markt, was im Umkehrschluss nur gut für den Bauen ist. Der Bauer hat ein sicheres Einkommen und wir haben tollen Nepaltee, win – win!

 

Weiter geht’s: berühmte Klassiker aus Indien.

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Foto © by TeeGschwendner Gmbh

Als ehemalige britische Kolonie wurde der Teeanbau in Indien erst durch die Briten populär gemacht um unabhängig vom chinesischen Teemonopol zu sein. Deshalb lassen sich in englischen Mischungen wie english Breakfast oder english Westminster etc. auch meistens Tees aus Indien finden. Der englische Einfluss auf die indische Teewelt sollte der Grund sein, warum selbst nicht-Teetrinkern hierzulande „Assam“ und „Darjeeling“ ein bekannter Begriff sein sollte.

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Teegarten Lingia , Darjeeling

Das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt, Assam, ist hauptsächlich für seine kräftigen, intensiven und malzigen second flushs (das sind Tees aus der zweiten Ernte) bekannt. Etwas lieblicher und leichter geht es in Darjeeling zu. Oft als „Champanger unter den Tees“ genannt (bestimmt kein Marketing *hust*), sind die Tees aus Darjeeling wegen ihrem frischen und würzigen Charakter beliebt. Aber auch im Süden Indiens, in Nilgiri, wird eine große Menge Tee produziert, die Geschmacklich sehr Produktionen aus Sri lanka ähneln.

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Kräftiger Schwarztee aus Assam

Als zweitgrößter Produzent und als größter Konsument von Tee wird in Indien auch viel für die Beutelindustrie produziert, von low-end bis zur absoluten Spitzenqualität ist also alles dabei.

 

Made in China.

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Foto © by TeeGschwendner Gmbh

Ahh, China, die Wiege des Teeanbaus. Seit mindestens 2000 Jahren soll hier schon Tee getrunken werden. Das Land mit dem mittlerweile höchsten Produktionsvolumen von Tee (und fast allen anderen Waren auch*zwinker*) hat bei vielen Menschen einen negativen Ruf. Zu Unrecht, wie ich finde, denn meiner Meinung nach lässt sich in China die vielfältigste Teekultur finden die es gibt. Schwarz, grün, gelb, Oolong. Kräftig oder mild, teuer oder günstig. Hier gibt es für Jeden etwas leckeres zu finden.

Tee ist tief in Geschichte und Kultur der Chinesen verankert. Nach der chinesischen Mythologie sollen dem chinesischen Kulturhelden des Ackerbaus, Shennong, bei einer Pause unter einem Teebaum getrocknete Blätter in heißes Wasser gefallen sein. Als Shennong das Blätterwasser probierte war er begeistert; der Tee war geboren.

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Eine Gaumenfreude: Chinesischer Dragonwell Tea

China ist ein riesiges Land mit vielen verschiedenen Menschen und Subkulturen. Und genau so verschieden wie die Menschen in China sind, so verschieden ist auch der Tee den man dort findet. Natürlich, in China wird auch viel minderwertiger Tee produziert, aber in den Bergen Yunnans oder Fujians zum Beispiel, geschützt von Smog und Dreck, lassen sich immer wieder wahre Schätze im Meer der Mittelmäßigkeit finden.

Ein hoch auf das Reich der Mitte – ein Land ohne den es Tee wie wir ihn kennen wahrscheinlich nicht geben würde.

Japan – hoch die Tassen und kanpai!

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Foto © by TeeGschwendner Gmbh

Kaum ein asiatisches Land ist wohl so westlich geprägt wie Japan. Die Teefelder, die man hier anfindet, sehen – im Gegensatz zu den wilden Teeplantagen in Nepal oder Indien – fast schon spießig aus. Im hochtechnologisierten Land wird der Tee meist mit speziellen Erntemaschinen gepflückt, ohne das großartig Qualitätsverluste entstehen.

Vor circa 800 jahren wurde der Tee von buddhistischen Mönchen nach Japan gebracht. Der pulverförmige, stark anregende Tee, den wir heute als Matcha kennen, wurde von den Mönchen getrunken, um während ihrer Meditation wach zu bleiben. In Japan war Matcha bzw. Tee lange nur ein Getränk für die Reichen und Adligen. Im Mittelalter, während der Azuchi-Momoyama-Zeit, kamen die Japaner durch die Chinesen in Kontakt mit einer völlig neuen Teekultur. Ganze Teeblätter aufzugießen wurde immer populärer, bald kamen auch die nicht so reichen in den Genuss, Tee trinken zu können.

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Gyokuro Schattentee

Heute ist Tee in Japan Alltagsgetränk, auch wenn Matcha ein Luxus für viele bleibt. Die Japaner produzieren fast ausschließlich Grüntee, im Gegensatz zu anderen Ländern wird der Tee in Japan auch nicht geröstet oder gebacken, sondern gedämpft. Durch die Dämpfung bleib der natürliche Charakter der Pflanze erhalten, sodass der Tee frisch und grasig schmecken.

Diszipliniert, traditionsbewusst und hingabevoll, aber auch verschlossen gegenüber dem was anders und neu ist, so würde ich die Teekultur in Japan beschreiben. Zwischen traditionsreicher Teekultur und hochmodernen Erntemaschinen ein sehr spezielles Land mit vielen tollen Tees!

Kanpai!

 

Draußen wartet noch mehr.

So, hier endet unser kleiner Ausflug. Ich hoffe euch hat der Trip in diese vier tollen Länder gefallen, vielleicht können wir können bald mal wieder auf Reise gehen! 🙂

get drunk – with tea!

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