Was ist Huang Pian Pu-Erh?

Schon immer fand ich es wichtig, sich mit Dingen auseinanderzusetzen die einem etwas abstrakt und ungreifbar vorkommen. So ging es mir bis vor kurzem mit Pu-Erh Tee: die Verfügbarkeit von Pu-erh ist (meiner Meinung nach) hierzulande relativ schlecht und der Pu-Erh den in bis dato kannte hat mir nicht zugesagt. Warum also weiter mit diesem Produkt auseinandersetzen? Weil ich Tee liebe. Und weil ich finde, dass der erste Eindruck nicht immer ein vollständiges Bild darstellt.

Heute wird es also etwas spezieller, denn dieser Beitrag sollte nicht als Verkostung, sondern eher als eine Art Entdeckungstour gesehen werden. Ich kenne mich mit Pu-Erh Tee einfach noch nicht genug aus, um ein aussagekräftiges Urteil zu fällen.

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„Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Pu-Erh cakes essen.“ – Marie Antoinette

Nun gut, genug um den heißen Brei geredet. Um meinen Pu-Erh Wissensschatz zu erweitern, habe ich mir ein Starterset mit jeweils vier 100g cakes bestellt. Einen davon möchte ich heute ein bisschen näher unter die Lupe nehmen: den 2014 Huang Pian.

Noch vor ein paar hundert Jahren, im alten China (genauer gesagt der Provinz Yunnan), bezahlten viele Teebauern ihre Steuern an den Kaiser in Form von Tee. Da man seiner Hoheit natürlich nur das Beste geben wollte, wurden die Teeblätter nach der Ernte sortiert. Nur die schönsten, saftigsten und grünsten Blätter wurden dem Kaiser als Abgabe gegeben.

Anders als bei vielen anderen Teesorten werden für Pu-Erh Tee auch oft größere, ältere Blätter geerntet, welche etwas weiter unten an der Teepflanze wachsen. Nach der Verarbeitung sehen diese dann oft etwas unförmig und gelb aus. Das gelbe Blatt, oder auf chinesisch Huang Pian, wird von den Teefarmern aussortiert und kommt weder zum großen Kaiser noch in den Verkauf. Normalerweise jedenfalls.

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Aber was tun, wenn man als Bauer einen großen Haufen gelber, aber genießbarer Teeblätter vor sich liegen hat? Richtig: selbst trinken. Man könnte also fast sagen, bei Huang Pian handelt es sich um den farmers choice, um das, was die Teebauern selbst  konsumieren.

Wie schon oben geschrieben, kommt Huang Pian Pu-Erh meist gar nicht auf den Markt. Da der Tee oft aber sehr günstig zu bekommen ist, steigt seine Beliebtheit aber immer mehr, und so kommt es, dass ich nun auch etwas von dem gelben Blättern mein Eigen nennen darf.

 

Und? Schmeckt’s?

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Ich habe also etwas Tee vom cake abgebrochen und in meinen Gaiwan geworfen. Ich dachte mir: „Zum Teufel mit dem ganzen schnick-schnack“ und habe Teetisch, Thermometer und den ganzen Krimskrams erstmal in der Ecke liegen gelassen. Wenn es sich um einen Tee handelt, der höchstwahrscheinlich von einfachen Bauern konsumiert wird, dann will ich den Tee auch möglichst einfach und puristisch erleben. Nur mein Gaiwan und ich. Zwei glorreiche Halunken auf der Suche nach dem gold-gelben Schatz.

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Nach ein paar Sekunden im Heißwasserbad war der erste Aufguss des fernöstlichen Blättergetränk bereit zur Verkostung. Erdig, holzig und mit leichter Süße schlug der Tee ein wie eine Bombe. Sehr intensiv und stark, aber dennoch gut trinkbar und bekömmlich. Auch war der Tee kaum bitter. Je mehr Aufgüsse man aus den Blättern kitzelte, desto verhaltener und zahmer wurde der Tee.

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Abschließen kann ich also sagen, …

… dass Huang Pian eine sehr interessante, andere Seite der Teewelt für mich offenbart. Dazu ist er ein schöner einstieg in die Welt des Pu-Erh. Guter Tee muss eben nicht rund, elegant, fein und geschmeidig sein. Ich denke, es ist der bestimmte, einzigartige Charakter eines Tees, den man so lieben und schätzen lernt. Es ist ein Tee mit Ecken und Kanten, aber auch sowas kann von Charakter zeugen! Zudem hat der Tee einen sehr schönen geschichtlichen Hintergrund. Letztendlich trinkt ja nicht nur das Auge, sondern auch das Herz mit.

Danke das ihr Heute bei dieser kleinen Expedition dabei wart, ich hoffe es hat euch gefallen! 🙂

get drunk – with (farmers choice) tea!

 

 

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