Südkorea Seogwang von TeeGschwendner – Verkostung

Auf der koreanischen Insel Jeju-do, südlich vom koreanischen Festland und westlich der japanischen Präfektur Kagoshima, wird seit 1979 im großen Stil Tee angebaut. Der Osulloc tea garden, der zum Kosmetikkonzern AmorePacific gehört, ist laut eigener Aussage der größte Teegarten in Südkorea und auch der einzige koreanische Teeproduzent, welcher gezielt für den westlichen Markt produziert.

Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde auf den kargen, steinigen Böden von Jeju-do ein riesiges Teeanbaugebiert geschaffen, auf dem nun fleißig bio-zertifizierter Tee produziert wird. Auf der Herstellerseite wird damit geworben, dass hier ein Tee der höchsten Spitzenklasse hergestellt wird. Da der Kosmetikproduzent AmorePacific, dessen Gründer die Farm in Seogwang ins Leben gerufen hat, auch Beauty-Produkte mit grünem Tee anbietet, ist es wahrscheinlich, dass hier auch Tee für die Kosmetikindustrie angebaut wird.

Heute nehmen wird uns aber keine Pflegecreme, sondern den Südkorea Seogwang von TeeGschwendner vor. Für meine Verkostung bin ich an den nächstgelegenen „Strand“ am Rhein gefahren, um ein leichtes „Insel-feeling“ zu bekommen. Stellt euch einfach vor, ich würde euch auf einen kleinen Trip nach Jeju-do entführen… 🙂

Ob der Tee zur ernsthaften Konkurrenz für die Kollegen aus China & Japan wird oder doch lieber in eine Gesichtsmaske sollte, werden wir  Heute gemeinsam herausfinden.

 

Geruch und Aussehen / Trockenes Blatt

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Das gerollte Blatt erinnert von der Form ein wenig an Bi Luo Chun oder andere chinesische Klassiker. Ein glänzendes, sattes und tiefes Dunkelgrün überzieht das Blatt. Sofort steigt ein deutlicher Umami Geruch in die Nase, der mich an Spinat erinnert. Allerding finde ich auch eine subtile, süße beerige Note im Geruch. Keine Frage, der Tee weist (bis auf die Form) große Ähnlichkeiten zu den japanischen Kollegen auf. Allerding fehlt die grasige Komponente, welche viele Senchas oft haben. Stattdessen kommt der Südkorea Seogwang süß und fruchtig daher.

 

Geruch und Aussehen / nasses Blatt

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Weiterhin bestehend ist das faszinierende Dunkelgrün der Blätter. Der Geruch des nassen Blattes ist wesentlich frischer und erinnert an Algen und einen Waldspaziergang bei Regen oder einen Urlaub an der Nordsee. Auch die Süße mit Beerencharakter ist weiterhin präsent.

 

Geschmack und Aussehen / erster Aufguss

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Die Farbe des ersten Aufguss ist klar und mild grün und erinnert, wie Aussehen und Geruch auch, an japanischen Tee. Der Geschmack hat aber auch etwas sehr eigenes und charaktervolles, was man nicht einfach in eine Schublade stecken sollte. Viele japanische Tees haben durch das Yabukita Cultivar einen grasigen und leicht „würzigen“ Charakter, welcher bei dem Seogwang komplett fehlt. Stattdessen paart sich das Umami hervorragend mit dem fruchtigen Beerencharakter und kreiert dabei einen ganz eigenen südkoreanischen Stil.

 

Geschmack und Aussehen / zweiter Aufguss

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Der zweite Aufguss ist farblich wesentlich kräftiger als Aufguss Nummer Eins. Aber was ist das? Eine leichte Röstnote? Süßer Honig mit herben Abgang?! Das erinnert mich sehr an hochwertige Grüntees aus China! Tatsächlich absolviert der Tee ab hier einen akrobatischen Spagat zwischen der japanischen und der chinesischen Teewelt. Ich lege meine Hand ins Feuer wenn ich sage, dass dieser Tee in Woks „geröstet“ wurde, ähnlich wie es in China üblich ist. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen,  die geographische nahe Lage zu Japan, das oft bewölkte Wetter auf Jeju-do und der verwendete Cultivar geben dem Tee ein natürliches Umami, während die Verarbeitung den chinesischen Touch gibt.

 

Geschmack und Aussehen / dritter Aufguss

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Hätte ich den Tee blind verkostet, hätte ich beim ersten Aufguss noch gesagt: „Das’n Japaner.“ Jetzt, bei Aufguss Nummer 3, hat der Geschmack sich komplett verändert. Das Umami ist komplett weg und wurde von einem floralen, honig-süßen Geschmack mit herben Abgang ersetzt. Man merkt dem Tee die Verarbeitungsmethode deutlich an; wenn hier kein Wok o.ä. im Einsatz war, dann weiß ich auch nicht mehr.

 

Geschmack und Aussehen / vierter Aufguss

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Zur floralen Süße gesellt sich nun auch eine leichte Adstringenz hinzu. Das ist aber nicht weiter schlimm, die Geschmacksknospen müssen ja nicht immer umtanzt werden, sondern dürfen auch mal etwas kratzen. Ich bin überrascht wie intensiv der Tee immer noch ist. Sicherlich könnte man den Tee noch einmal im Wasser baden, aber aufgrund von Wassermangel werde ich nun zum Fazit übergehen. 🙂

 

Fazit

Vielleicht sollte man den Tee in Südkorea Transformer umbenennen. Zwar hat der Tee sich (leider) nicht in einen gelben Chevrolet Camaro verwandelt, allerdings hat er im Laufe der Aufgüsse einen geschmacklichen Wandel zwischen zwei Teewelten absolviert. Und das mit Bravur!

Ich kann diesen Tee nur jedem Grüntee-Freund nahelegen! Es ist das Gesamtpaket, welches beim Südkorea Seogwang überzeugt; das Blatt, der Geschmack, der Geruch, der Wandel zwischen den Aufgüssen. Und auch beim Preis kann der Tee (meiner Meinung nach) absolut punkten. Ein absoluter Preis-/ Leistungs König also, der sowohl eingefleischte Grüntee-Fans als auch Alltagstrinker überzeugen sollte.

 

get drunk – with (seogwang) tea!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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