Hongyu Cha Ruby Tea von Tee Kontor Kiel – Verkostung

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Tee in meiner Tasse wiederfinde, welcher mein grundlegendes Konzept von Tee komplett umschreibt. Einer der Gründe, weshalb ich Tee so unglaublich faszinierend finde, ist, dass man nie auslernt. Ständig gibt es etwas Neues zu entdecken; ein neues Anbaugebiet, eine andere Geschmacksnuance, ein ungewöhnliches Teecultivar.

Aus dem verwendeten Cultivar Hong Yu (TRES #18) zaubert der taiwanesische Teemeister Huang Tan Atong Chen einen besonders edlen und einzigartigen Schwarztee. Meister Atong Chen sagte einmal, das man Ruhe und Zeit brauche, um einen Tee zu verstehen. Man muss sich auf den Tee einlassen; genau das werde ich heute tun, denn für die heutige Verkostung lasse ich mir besonders viel Zeit.

 

Geruch und Aussehen / Trockenes Blatt

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Die tiefschwarzen, großen Blätter verströmen einen unglaublich betörenden Duft, welcher nach Akazienhonig, Mandeln und Minze riecht. Der Geruch besitzt etwas sehr Geborgenes, er lässt einen nicht mehr los. Ich bin mittlerweile der Auffassung, dass es nicht immer Sinn macht, Tee nur Geschmacknoten zuzuschreiben, welche wir von anderen Lebensmitteln kennen. Denn Geschmäcker und Gerüche können Emotionen in uns hervorrufen, die ihre ganz eigene, persönliche Verbindung zu einem Tee aufbauen können. Bei einem Tee wie diesem geht man tief in sich. Ich möchte nicht übermäßig esoterisch werden, und ich will auch nicht meine emotionalen Impressionen teilen, aber wenn Ihr beim nächsten Mal an einem Tee riecht, was erkennt Ihr da? Woran erinnert Dich dieser Tee? An eine vergangene Zeit? Einen Urlaub? Eine Person?

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Geruch und Aussehen / nasses Blatt

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Die Blätter haben ihr tiefes Schwarz verloren und offenbaren nun eine kastanienbraune Farbe. Zu dem altbekannten Duft von Akazienhonig gesellt sich nun ein seidiger Duft von Lavendel und Zeder. Im Geruch der nassen Blätter liegt auch etwas leicht ätherisches, wie ein Öl. Der Geruch ist sehr weich und leicht in der Nase, so als würde man Seide atmen.

 

Geschmack und Aussehen / Aufgegossener Tee

Normalerweise würde ich jetzt anfangen, den ersten Aufguss zu beschreiben, ein Bild hinzuzufügen und dann Aufguss zwei beschreiben, und so weiter. Nach den 14 Aufgüssen, die ich mit diesem Tee geschafft habe, würde das allerdings den Rahmen ein wenig sprengen. Zudem wäre es extrem langweilig, für mich und für euch.

Stattdessen werde ich die Aufgüsse in einem Fließtext wiedergeben. Also: vergesst die Anzahl der Aufgüsse, Ziehzeit und den ganzen Mist, das brauchen wir heute alles nicht. Heute geht es nur um das Erlebnis. Meine Uhr habe weggelegt, ich vergesse die Zeit und konzentriere mich nur auf den Tee.

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Geschmacklich ist dieser Tee eine Freude für alle Sinne. Die Textur ist ölig und intensiv, dabei aber nicht überfordernd. Ein tolles Mundgefühl! Geschmacksnuancen von Schokolade wechseln sich mit Honig und Karamell ab. Oder doch frische Minze? Lavendel?! Ich weiß nicht, was ich zuerst schmecken soll! Der Geschmack bleibt noch lange nach dem herunterschlucken erhalten und hat ein langes und warmes finish.

Wie etwas so intensiv aber dennoch so seidig weich sein kann, ist mir unerklärlich! Diese Intensität bleibt auch über die vielen Aufgüsse ziemlich konstant. Die Noten von Honig und Karamell treten dabei langsam in den Hintergrund und weichen dem frischen Touch von Minze und Lavendel.

Dieser Tee ist etwas ganz Besonderes und sollte am besten auch nur zu besonderen Anlässen getrunken werden. Der Hongyu Cha Ruby Tea ist ein Paradebeispiel dafür, was für ein Meisterwerk man aus Blättern erschaffen kann. Er ist der Beweis dafür, das Tee viel mehr als nur ein Produkt sein kann. Vielmehr ist er ein Statement zur Liebe und Hingabe eines Meisters zu seinem Tee.

 

get drunk – with (ruby) tea!

 

 

 

 

 

 

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