China Mao Jian von TeeGschwendner – Verkostung

Hunan ist nicht nur die Geburtsstätte von Mao Zedong, sondern auch von wunderbaren Teevariationen wie dem uns heute vorliegenden Mao Jian.

An nur wenigen Tagen im Frühling werden nur die besten und feinsten Blattspitzen und Knospen der Teepflanzen geerntet. Diese jungen und noch haarigen Blätter verleihen diesem Grüntee ihren Namen; Mao Jian (毛尖)  bedeutet so viel wie „Haarspitze“.

Den Mao Jian habe ich mir zugelegt, weil ich mehr über chinesischen Grüntee lernen möchte. Abseits des Einheitsbrei á la Chun Mee und Gunpower bietet China nämliche eine unglaublich riesige Bandbreite an Grünteesorten, die man in einem Menschenleben unmöglich alle entdecken könnte.

Wir fangen unsere Entdeckungsreise trotzdem mal an. Bei Ausgrabungen in Xinyang wurde dieser Tee in einem Gefäß als Grabbeilage gefunden. Auch nach dem Tod wollten einige anscheinend nicht auf diesen Tee verzichten. Ob der Mao Jian von TeeGschwendner wirklich überzeugen kann oder doch lieber im dunklen Grab bleiben sollte, werden wir heute gemeinsam herausfinden. 🙂

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Haarige Angelegenheit? Die Blätter der Mao Jian.

Wie der Boden nach meinem letzten Friseurbesuch sieht das hier zwar nicht aus, allerdings kann ich verstehen warum man diesen Tee „Haarspitze“ taufte. Die jungen, kräuseligen Blätter und Knospen sind überzogen mit einem lieblichen haarigen Flaum. Es heißt, für Mao Jian werden nur die besten und jüngsten Triebe der Teepflanze gepflückt.

Die Qualität der Blätter ist jedenfalls aller erste Spitze, im wahrsten Sinne sogar. 😉

 

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Für die Zubereitung habe ich mein neues japanisches Teekännchen aus Tokoname gewählt. Das Volumen der Kanne beträgt ca. 100 ml und ich werde genau 3g Tee für die Verkostung benutzen. Bevor es aber mit dem fröhlichen Teeschlürfen losgeht, habe ich meine Kanne mit heißen Wasser vorgewärmt. Für die Aufgüsse benutze ich circa 80 Grad heißes Wasser.

 

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Im warmen Kännchen verströmen die Blätter einen süßen Duft, der mich an frisch gebackenes Brot erinnert. Der Geruch hat dabei eine herzhafte Umami Note, die dem Geruch hochwertiger Japaner im vorgewärmten Kännchen ähnelt.

 

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Einmal aufgegossen zeigt der Tee seine sehr feine und delikate Seite. Die Farbe der Flüssigkeit ist sehr hell und klar und sticht nur sehr leicht ins gelbliche. Geschmacklich offenbart sich eine ähnliche Zärtlichkeit. Sehr mild, mit einem Geschmack von Avocado, Spargel und Gurke bewegt sich dieser Tee eher in Gemüsigen Gefilden. Abgerundet wird das ganze mit eine frühlingshaften Frische.

 

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Im zweiten Aufguss driftet der Geschmack noch ein wenig mehr in die frische Richtung. Morgentau trifft auf Sonnenstrahlen. Das Mundgefühl ist leicht und angenehm, zudem wirkt der Tee auch im warmen Zustand eher erfrischend. Allerding fehlt mir bei all der Leichtigkeit ein wenig die Tiefe, zu schnell verschwindet der Knackig-Frische Geschmack aus dem Mund.

 

20171025_102633In den weiteren Aufgüssen gesellt sich eine dezent herbe Note zum Geschmack dazu und gibt dem Tee etwas mehr  Nachhall.

Im Großen Ganzen muss ich sagen, das ich den Tee – mit Verlaub gesagt – ein wenig langweilig finde. Vielleicht bin ich von den intensiven Grüntee-Frühjahrspflückungen aus Japan etwas verwöhnt, vielleicht trifft dieser Tee auch einfach nicht voll meinen Geschmack. Auf dem Papier macht dieser Tee alles richtig, was er richtig machen soll. Das Ausgangsmaterial ist hervorragend, der Geschmack ist frisch, knackig und leicht. Grüner Tee wie er sein sollte.

Besonders für Einsteiger und all jene, welche sich immer vor zu bitteren Grüntees gefürchtet haben, kann ich diesen Tee ohne zu zögern empfehlen. Weil der Tee so gut wie gar nicht bittert, eignet sich der Mao Jian auch PERFEKT für alle, die ihren Tee gerne im grandpa style zubereiten. Jedem, der ein kräftiges, starkes Geschmackserlebnis sucht oder es nicht mag, Geschmacksnoten von Gemüse in seinem Tee wiederzufinden, rate ich absolut von diesem Tee ab. Im Grab liegen bleiben sollte der Tee aber auf keinen Fall!

 

get drunk – with (hairy) tea!

 

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