Kann Tee auch Kunst sein? – bei Anmo Art/ Cha in Düsseldorf

Vor Kurzem wurde ich von ANMO ART/CHA, einem neuen Teeladen in Düsseldorf, zum Tee trinken eingeladen. „Super!“, dachte ich mir, und setze mich am nächsten Tag direkt in die Bahn. Auf dem Weg dorthin lief ich durch die Immermannstraße, dort, wo auch das Japanviertel in Düsseldorf liegt. Zwischen asiatischen Supermärkten, Restaurants in Geschäften kommen hier viele Menschen verschiedener Kulturen zusammen. Ein guter Ort, um einen Teeladen zu eröffnen!

 

 

Im Laden von ANMO werde ich von Anna, eine der zwei Gründerinnen, begrüßt. Ich werde von ihr entspannt durch den Laden geführt und mir wird klar, dass dieses Geschäft mehr als nur ein einfaches Teegeschäft ist. Denn hier geht es nicht nur um Tee, sondern auch um Kunst. In einem separaten Raum befindet sich nämlich eine kleine Kunstgalerie.

Anna erklärt mir, dass Kunst und Tee hervorragend zusammen passt. Wenn man es so sieht kann Tee auch ein Kunstwerk sein. Ein Ausdruck der Gefühle, der Sichtweise und der Hingabe der Produzierenden. Ein tolles Konzept, wie ich finde!

 

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Mein kläglicher Versuch, Tee und Kunst zu verbinden.

Nachdem Anna und ich fröhlich ein paar Tees zusammen verkostet haben, gab sie mir neben einer menge kleiner Samples auch ein paar große Päckchen japanischer Tees mit.

Um sagen zu können, ob einem ein Tee gefällt oder nicht, reicht ein kleines Pröbchen definitiv aus. Genau so wie man bei einem Kunstwerk beim ersten Mal hinschauen sagen könnte, ob es einem Gefällt oder nicht. Um einen Tee aber wirklich verstehen zu können und seine Eigenschaften und Details herauszufinden, braucht es mehr.

Zwei Tees habe ich bisher genauer unter die Lupe genommen, meine Erkenntnisse werde ich heute mit euch  teilen. 🙂

 

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Als Erstes haben wir eine echte Rarität vor uns, einen Kamairicha, also einen japanischen Grüntee welcher nicht gedämpft, sondern in überdimensionalen Woks angeröstet wurde. Nur noch sehr, sehr, sehr wenige Bauern in Japan stellen Tee auf diese Art und Weise her. In der japanischen Präfektur Kyush in der Stadt Ureshino wird diese Grüntee-Perle auf sehr traditioneller Art hergestellt.

Der Teefarmer Shimoda-san sagt, der Vorteil beim Kamairicha im Vergleich zum Sencha besteht darin, das er über mehr Aufgüsse aromatisch bleibt und zudem auch heißeres und vor allem auch härteres Wasser gut verträgt. Ich persönlich finde auch, das sich durch die Röstung ein tieferes Aroma gebildet hat, zudem ist der Tee nicht grasig aber dennoch sehr frisch und lebhaft. Im trockenen Zustand sehen die Blätter noch etwas matt aus, in Verbindung mit Wasser erstrahlt der Tee dann aber mit neuem Leben. Der Duft ist unbeschreiblich intensiv und ein feines Umami verbindet sich mit Nuancen von Kakao.

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Ein Sencha aus dem Ursprungsgebiet aller Senchas

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Als Nächstes möchte ich euch einen Sencha aus Uji zeigen. Das Aussehen des Tees ist wahrlich prächtig! Die extrem langen Nadelblätter sehen mit ihrer tiefgrünen Farbe extrem verlockend aus. Moto (die zweite Gründerin von ANMO) hat mir erzählt, dass das dämpfen von Tee in Uji erfunden würde. Ich kann mir also gut vorstellen, das die Bauern hier sehr viel Stolz in ihre Arbeit legen und weniger das Ziel haben anders, sondern besser zu sein. Über das Cultivar kann ich nur spekulieren, mir wurde aber gesagt das die Teefarmer gerne mit ihren Pflanzen experimentieren. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, das für diesen Sencha das Saemidori Cultivar benutzt wurde.

Der Geschmack ist sehr ausgewogen, für einen Sencha aber ungewöhnlich trocken. Ein nettes Umami paart sich mit einer lieblichen süße, der Aufguss hat ein sehr blasses und wolkiges gelb.

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Besonders schön finde ich bei diesem Tee aber das Aussehen. Die Blätter sehen aus wie Gemalt! Groß, tief grün und so saftig, dass ich am liebsten reinbeißen würde. Ein wirklich toller Sencha, ja, fast schon ein dreidimensionales Kunstwerk.

 

Kann Tee also Kunst sein?

Darüber, ob Tee Kunst sein kann, lässt sich definitiv streiten. Manche Tees sind es wohl mehr als andere. Eines haben Tee und Kunst aber gemeinsam: sie können ein Statement sein. Ein Statement dazu, alte Traditionen zu bewahren oder lieber weit verbreitetes zur Perfektion zu bringen. Ein Statement dazu, wie sehr man sich mit dem, was man erschafft, auseinandersetzt und wie sehr man sein Medium versteht. Liebe, Motivation und Hingabe werden sich immer auf das Endprodukt auswirken. Das gilt gleichermaßen für Tee als auch für Kunst.

 

get drunk – with (ANMO) tea!

 

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