Bai Mu Dan – Ein Vergleich vier toller Sorten

An heißen Sommertagen brauche ich etwas erfrischendes – und dazu eignet sich Bai Mu Dan hervorragend. Bai Mu Dan, manchmal auch Pai Mu Tan geschrieben, ist eine Sorte Weißtee, welche aus den jungen Blättern und Knospen der Teepflanze besteht. Auf Chinesisch bedeutet Bai Mu Dan soviel wie „weiße Pfingstrose“ oder auf Englisch eben „White Peony“.

Aber wodurch zeichnet sich ein guter Bai Mu Dan denn aus? Gute Frage! In erster Linie sollt man sich fragen, was für ein Geschmacksprofil man gerne mag. Ich stehe sehr auf einen leichten, spritzigen und eleganten Geschmack, weshalb ich frische und junge weiße Tees bevorzuge. Mag man es etwas dunkler und tiefer vom Geschmack, sollte man vielleicht nach gealterten Weißtees Ausschau halten. Denn ähnlich wie beim PuErh lässt sich der Geschmack bei weißen Tees durch das alter verändern. Über die Zeit hinweg wird der Geschmack so zwar weniger intensiv, allerdings tiefer und komplexer.

 

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Heute möchte ich euch vier verschiedene Bai Mu Dan zeigen, welche ein recht großes Spektrum dieser fantastischen Teesorte darstellen. 

 


Fuding White Peony von Sunday Naturals

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Die frische Ernte von 2018 aus der Region Fuding, China. Einer der wenigen Bai Mu Dan auf dem Markt, welche eine Bio-Zertifizierung besitzen. Das Blatt ist, im Verhältnis zu anderen Sorten, leider ziemlich klein geraten. Entweder wurde hier während der Verarbeitung, dem Transport oder dem Verpacken geschlampt – oder allem. So wie auf der Website sieht der Tee jedenfalls nicht aus. Ich tue mich mit Sunday.de oftmals sehr schwer, weshalb ich beim kauf dieses Tees etwas gezögert habe, zu unrecht. Der Geruch ist fantastisch duftig und intensiv und erinnert mich an frische Pistazien und Sommerregen. Das kleine Blatt macht mich etwas traurig – es scheint sich hier um wirklich gutes Blattmaterial zu handeln, aber ich bin mir ziemlich sicher, das durch das kleine Blatt der Tee im Geschmack an Qualität verlieren wird. Aber dazu später mehr.


Fuding White Peony von Yunnan Sourcing

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Huch, schon wieder ein weißer Tee aus Fuding? Richtig, denn die Region Fuding ist besonders für seine weißen Tees, wie auch den Berühmten Yin Zhen Silver Needle, bekannt. Auch heißt es, hier seinen vor langer Zeit die ersten weißen Tees hergestellt worden. Eine Region mit viel Wissen und Tradition können also. Auf den ersten Blick fällt mir auf, dass das Blatt wunderbar groß und vor Allem sehr schön fluffig ist. Denn die Blätter und die Blattknospen sind noch mit einem einen Pflaum überzogen, was bedeutet, dass sehr junge und zarte Blätter gepflückt wurden. Auch ist der Anteil an Blattknospen ziemlich groß. Im Geruch ist dieser Tee betörend frisch und intensiv.


Sleepy Sloth White Peony von Teabento

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Ich muss gestehen: ja, diesen Tee habe ich mir wegen dem Namen gekauft. Denn das Faultier (auf Englisch Sloth) ist mein absolutes Lieblingstier. Was ich letztendlich bekam, war einer der herausragendsten Tees, welche ich seit langem getrunken hatte. Aber ich will noch nicht zu viel verraten. Äußerlich ist dieser Tee dem Fuding White Peony von Yunnan Sourcing sehr ähnlich – großes Blatt, viele Knospen und eine ordentliche Portion Pflaum gibt es auch noch obendrauf. So muss das.


Nordindien Dharamsala Special White Peony von TeeGschwendner

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Dieser Tee hat sich sein Special redlich verdient. Einen White Peony wie diesen wird man nämlich nicht all zu häufig finden, so ist die Region Nordindien sowie Darjeeling und Nepal nicht gerade für weißen Tee bekannt. Diese aus dem familiengeführten Teegarten namens Dharamsala stammende Rarität macht schon beim hinsehen Lust auf mehr – die großen, ganzen (!) Teeblätter lassen mein Herz nur so dahinschmelzen. Im Geruch erinnert der Tee stark an Darjeeling und überzeugt durch seinen blumigen und mild-spritzigen Charakter. Ein ungewöhnlicher Tee also. Ich würde mir wünschen, dass aus der Region des Himalayas mehr Unikate wie diese kommen würden. Das milde, natürliche Klima und die Höhenlage ist ideal für Tees wie diesen.


Aber nun genug gequatscht, jetzt wird getrunken!

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Für die Geschmacksbeschreibung möchte ich nicht jeden Tee einzeln beschreiben, sondern alle parallel miteinander Vergleichen, wofür ich wieder meine Tasting-Cups benutzt habe. Im Voraus sollte ich vielleicht erwähnen, das ich mit allen Tees geschmacklich sehr zufrieden bin und alle meiner Meinung nach für Ihren Preis eine zumindest gute Leistung erbringen. Mir geht es also weniger darum, zu sagen „Aha, Tee X ist besser als Tee Y“, sondern ich möchte die Charakteristika und Eigenschaftsmerkmale verschiedener Tees dieser wunderbaren Sorte darstellen.

Fangen wir mal ganz links an, wo es sich der nordindische Weißtee von TeeGschwendner gemütlich gemacht hat. Für all jene, welche mit Tees nach Darjeeling-Art nichts anfangen können, ist dieser Tee wahrscheinlich eher weniger etwas. Für alle die es können… Hallelujah! Die tollen Leute aus dem Dharamsala Teegarten haben wohl den blumigsten, spritzigsten und leiblichsten Himalaya-Tee geschaffen, welchen ich seit langem getrunken habe. Die Farbe des Aufgusses ist leicht, klar und von allen Tees hier wohl der hellste. Ein tolles Bespiel dafür, wie extrem sich das Klima auf das Endprodukt auswirken kann. Denn genau wie die anderen Tees wurde dieser hier auch nur gewelkt und getrocknet, sonst nichts.

Schauen wir mal weiter zum Nachbarn, dem Sleepy Sloth von Teabento. Dieser Tee hat alles, was ein guter Bai Mu Dan meiner Meinung braucht. Intensiv spritzig, blumig frisch mit einem zarten Abgang von Rose und Pfirsich. Egal ob ich diesen Tee mit kochend heißem Wasser mache oder ihn als Coldbrew ansetzte, er gelingt immer. Die großen fluffigen Blätter enttäuschen mich nie.

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Bei dem White Peony von Yunnan Sourcing sieht es da ganz ähnlich aus. Vom Grundcharakter sind ist dieser Tee und der Sleeps Sloth sich sehr ähnlich. Der Fuding Bai Mu Dan von YS ist nur einen tacken dunkler und verleiht dem Tee durch eine zart-herbe Note etwas mehr tiefe und Körper.

Der Bai Mu Dan ist von allen Tees hier definitiv der grünste. Wer es intensiv mag kommt hier durchaus auf seine Kosten. Das (leider) gebrochene Blatt macht diesen Tee auch zu den „kräftigsten“ von allen. Wie man bei Sunday auf die Idee kommt den Tee als „Imperial Grade“ zu verkaufen ist mir rätselhaft. Nichts desto trotz muss man sagen: der Tee ist gut! Der Geschmack ist für diejenigen, für welche Weißtee oftmals zu weich ist, sicherlich ein toller Einstiegt. Trotzdem, durch die Blattgröße verliert der Tee ordentlich an Qualität. Das wäre vermeidbar.


Abschließend lässt sich sagen, dass es immer toll zu sehen ist, wenn es viele Variationen bei einer Teesorte gibt. Weißer Tee ist etwas unglaublich delikates und feines, und einen guten weißen Tee zu produzieren ist gar nicht so einfach, wie es vielleicht scheint. Dadurch, das der Tee so naturbelassen ist, können Fehltöne im Gschmack durch die Verarbeitung nur schwer überdeckt werden. Sorgfältiger Anbau sind also das A und O! Zudem lege ich bei dieser Sorte von Tee viel wert auch ein ganzes oder zumindest möglichst großes Blatt. Weißer Tee zeichnet sich häufig durch seine Eleganz und seinen vollen Körper aus, was bei kleinen Blättern oft schwierig ist.

Ich hoffe sehr, das Bai Mu Dan an Beliebtheit zunehmen wird und tolle Tees aus vielen verschiedenen Ländern ihren Weg zu uns finden werden. Bis dahin heißt es: genüsslich weiter trinken!

 

Get drunk – with (white) tea!

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