Darjeeling First Flush 2018 von der Teekampagne – Verkostung

Dajeeling – ein Name, welcher selbst den meisten nicht-Teetrinkern ein Begriff sein sollte. Hoch in den Gebirgen des Himalayas gelegen, hat sich diese Region eine hervorragenden Ruf geschaffen, welche bis weit über die Berge des Himalayas schallt. Aber nicht nur von Ruhm, sondern auch von Kritik ist dieser Name seit dem letzten Jahr mittlerweile geprägt. Das Thema Darjeeling ist ein durchaus spannendes, vielseitiges und tiefgründiges Thema, dem ich mich heute annehmen möchte. Die Teekampagne war so nett und hat mir einige Bilder aus Darjeeling zu Verfügung gestellt. Also, folgt mir auf eine Reise in die wunderschönen Berge Nordindiens!


Tee vom Fuße des Himalayas

Darjeeling ist ein vergleichsweise junges Teeanbaugebiet. Im Gegensatz zu beispielsweise China, wo seit tausenden von Jahren Tee kultiviert wird, wird in Indien erst seit ein paar hundert Jahren Tee angebaut. Dabei ist die Teekultur in Darjeeling durch und durch westlich geprägt, denn der Teeanbau in Indien wurde ursprünglich von dem British Empire initiiert, um von chinesischen Teehandel unabhängig zu werden.

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Teegarten in Darjeeling – Foto © Projektwerkstatt Gmbh

So trinken die Menschen im Himalaya auch selten reinen schwarzen Tee und schon gar nicht die blumig frischen Sorten, wie man sie aus Darjeeling kennt. Der Tee, wie er hier hergestellt wird, ist fast ausschließlich für den westlichen Mark bestimmt.

Im Jahr 2017 schaffte es Darjeeling sogar in die Medien. Leider nicht aufgrund von hervorragendem Tee, sondern weil in Darjeeling viele Pflückerinnen ihr Handwerk niederlegten. Viele der Pflückerinnen stammen nämlich aus dem benachbarten Nepal und wünschen sich einen eigenen Bundesstaat, in dem ihre Sprache und Kultur von der indischen Regierung toleriert und akzeptiert wird. Der Regierung ist das aber leider ein Dorn im Auge und als Reaktion darauf wurde zum Generalstreik aufgerufen.

Mittlerweile arbeiten die Teegärten in Darjeeling wieder, aber der durch den Streik entstandene Schaden wird Darjeeling wohl noch ein paar Jahre prägen.


Die erste Ernte des Jahres – Der First Flush

Von allen Tees aus Darjeeling habe ich die Frühjahrspflückung, den sogenannten First Flush, am allerliebsten. Für diesen Tee werden nur die ersten zwei Blätter und eine Blattknospe gepflück, also two leaves and a bud. Für Tee wie diesen gibt es Blattgradierungen, welche das Aussehen und die Qualität der Pflückung darstellen. Für den Tee der Teekampagne gibt es die Gradierung FTGFOP1, welche für finest tippy golden flowery orange pekoe 1 steht, die zweithöchste Blattgradierung.

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Two leaves and a Bud – Foto © Projektwerkstatt Gmbh

Nach der Ernte werden die Blätter gewelkt, damit sie an Flüssigkeit verlieren und weicher werden. Die nun etwas flexibleren Blätter werden anschließend mit großen Maschinen gerollt, wie man es auch Unten auf dem Bild sehen kann. Durch das Rollen tritt der Zellsaft aus den Blättern aus, welche mit der Luft reagiert und einen Oxidationsprozess startet. Je länger man die Blätter oxidieren lässt, desto dunkler werden sie. Weil die Blätter nur relativ kurz oxidiert werden, behalten sie ihren grünen und duftig-frischen Charakter bei. Im Anschluss werden die Blätter noch getrocknet und Sortiert.

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Teeblätter beim Rollen – Foto © Projektwerkstatt Gmbh

Geschmack und Aussehen des Darjeeling First Flush

Das Aussehen dieses Tees und dessen Bezeichnung mag den ein oder anderen vielleicht verwirren. Für einen Schwarztee sind die Blätter nämlich noch ziemlich hell und grün. Tatsächlich sind die Blätter durch die kurze Oxidation nicht komplett oxidiert und würden eher als Oolong durchgehen. Weshalb Tees wie dieser dennoch als Schwarztee auf dem Markt bezeichnet werden? Genau weiß ich es nicht, aber ich schätze, dass es daran liegt, dass vielen Menschen hierzulande der Begriff Oolong fremd ist, jeder aber mal etwas von Schwarztee gehört hat. Wie vorher bereits erwähnt, ist dieser Tee ein stark westlich geprägtes Produkt. Aber Namen sind ja bekanntlich nur Schall und Rauch, oder?

Blatt

Viel wichtiger ist der Geruch und ganz besonders der Geschmack dieser nordindischen Schönheit. Ich freue mich jedes mal riesig, wenn ich die Teetüte öffne und mir ein heerlich süßer, duftig leichter Geruch entgegen strömt. Für diesen Geruch fällt mir nicht anderes vergleichbares ein, ich weiß nur, das er einzigartig für Tees aus dem Himalaya ist.

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Wie bei helleren Oolongs gieße ich auch First Flush Schwarztee nicht mit kochend heißen, sondern mit 90-95 Grad heißem Wasser auf. Dadurch bekommt der Tee ein etwas volleres Mundgefühl und wird insgesamt präsenter. Allerding muss ich sagen, dass es kaum eine Teesorte gibt, bei der ich Bitterkeit und Adstingens so sehr schätze, wie bei First Flush Darjeeling. Eine Tasse Darjeeling Tee ohne Bitterkeit empfinde ich als hochgradig enttäuschend, denn die Bitterkeit verleiht dem Tee Tiefe und Charakter. Auch wenn man es mit der Bitterkeit natürlich nicht übertreiben muss. 😉

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Ganz besonders bei dem Tee der Teekampagne ist der Preis hervorzuheben, insbesondere wenn man große Mengen kauft. Für Darjeeling Tee wird auf dem Markt manchmal ein horrender Preis verlang, was zum einen daran liegt, dass man alleine schon für den Namen Darjeeling bezahlt, ähnliche wie es bei Markenprodukten oft der Fall ist. Das ist bei der Teekampagne anders.

Die allgemeine Preisentwicklung in Darjeeling führte dazu, dass aus den umliegenden Gebieten Nordindiens, Sikkim und Nepal mittlerweile exzellente Tees nach Darjeeling Art zu finden sind, welche nur einen Bruchteil des Preises kosten. Da Konkurrenz gut für den Verbraucher ist, hoffe ich, dass die Darjeeling Preise zumindest konstant bleiben oder sogar etwas sinken. Solange es die Teekampagne gibt, ist eines aber sicher – wer guten Darjeeling Tee sucht, kommt hier für kleines Geld auf seine Kosten!

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Steilhang eine Teefeldes in Darjeeling – Foto © Projektwerkstatt GmbH


Fazit

Als jemand, der sich intensiv mit der Teekultur Ostasiens beschäftigt, war es schön, sich mal genauer mit einem Thema zu beschäftigen, welches für Tee vergleichsweise unasiatisch ist. Der Tee der Teekampagne ist weniger etwas für die Teefreaks, diejenigen, die darauf stehen, mit kleinen Tonkännchen zu hantieren und mit gleichgesinnten stundenlang über Tee zu fachsimpeln. Es ist ein Tee der es einem verzeiht, wenn man ihm mal etwas zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, einen aber umso mehr belohnt, wenn es tut. Ich liebe Darjeeling Tee, auch wenn dieser aufgrund mangelnder Diversität von der Tee-Community manchmal etwas belächelt wird. Ich liebe Tee – und wenn ich ein warmes, gutes Gefühl um mein Herz verspüre, wenn ich eine Tasse Tee trinke, dann ist mir letztendlich komplett egal, woher dieser Tee kommt. Danke, liebe Teekampagne, für dieses kleine Stück Liebe in meine Teetasse!

get drunk – with (Darjeeling) tea!

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