Verkostung dreier Taiwan Oolongs von Tee Kontor Kiel!

Vor einiger zeit hat mir die liebe Angelika vom Teekontor Kiel drei Proben gerösteter Taiwan Oolongs zukommen lassen. Es handelt sich dabei um drei völlig verschiedener Tees unterschiedlicher Regionen, Jahrgänge und Kultivare. Sie haben nur eines gemeinsam: alle wurden vom Teemeister Atong Chen geröstet. Aber was genau macht einen guten gerösteten Tee aus? Ich gehe dem heute auf die Spur!

Warum ich so selten gerösteten Tee trinke

Taiwan Oolongs gehören zu meinen absoluten Lieblingstees. Am liebsten habe ich den sogenannten Gao Shan 高山, also Tees aus dem Hochland. Diese Teesorten wachsen auf bis zu 2500 m über dem Meeresspiegel. In dieser Höhenlage ist der Sauerstoffgehalt in der Luft deutlich geringer, weshalb die Teepflanzen langsamer wachsen und sich ein weicheres und zarteres Aroma im Getränk bildet.

Diese Hochland Oolongs sind meistens sehr grün, um den floralen und frischen Charakter der Tees zu bewahren. Dadurch ergibt sich mein grundlegendes Problem, welche ich mit gerösteten Tees habe. Bei gerösteten Tees handelt es sich oft um mittelmäßige Tees, welche eine gute Röstung bekommen haben um den Tee aufzuwerten. Oder aber: es handelt sich um einen hervorragenden Tee mit guter Röstung, bei der aber der Grundcharakter des Tee (also Geschmack des Cultivars, der Region etc.) stark verloren geht. Von beidem bin ich kein großer Fan.

Das ganze soll nicht heißen, das ich gerösteten Tees abgeneigt bin! Ich finde nur, das es wirklich wirklich hervorragende geröstete Tees schwer zu finden sind. Die Kunst einen Tee zu rösten ist nicht leicht und nur wenige Teemeister beherrschen ihr Handwerk in Perfektion. Das wirft die Frage auf: beherrscht Atong Chen die Kunst des Röstens?

Die Tees:

Probieren werde ich heute drei Tees. Einen Jin Xuan 金萱 aus vom Berg Lala Shan aus dem Jahre 2013, einen „old style“ Rou Gui aus Mingjian und einen Qing Xin 青心 Oolong aus der Region Dong Ding.

Lala Shan Jin Xuan Oolong 金萱乌龙茶

La La Shan ist ein noch vergleichsweise junges Teeanbaugebeit. Das Jin Xuan Cultivar ist in Taiwan besonders für seinen cremigen Charakter beliebt. Von den drei Tees ist dieser hier der hellste und die Blätter haben hier und dort noch einen leichten Grünstich. Im Geschmack ist von der cremigen Charakter des Jin Xuan Cultivar nichts mehr zu finden. Stattdessen ist der Geschmack sehr rund, mit Geschmacksnoten von Pfirsich und einem Finish welches mit an dunkle Schokolade erinnert hat.

Mingjian Rou Gui Old Style

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Rou Gui aus Taiwan getrunken zu haben. Von den drei Tees hat mich dieser hier am meisten überzeugt! Der Tee ist tief und komplex, mit süßem und langen Finish. Zunächst präsentiert sich der Tee mit einer zimtigen Nuance, welche schnell ins fruchtige übergeht. Einfach toll!

Diesem Tee merkt man die aufwendige Röstung definitiv an und der Rou Gui ist ein Paradebeispiel für einen Tee, bei dem das Rösten wirklich Sinn macht. Es wird etwas zum Tee hinzugefügt ohne zu viel zu verändert oder wegzunehmen. So muss das sein!

2005 Dong Ding Qing Xin Gui Fei

Dieser Tee kombiert die zwei Dinge, die ich an taiwanesischem Tee zum einen am liebsten und zum einem am wenigsten mag. Das Qing Xin Cultivar ist mein absolutes „Lieblingskultivar“ wenn man so will. Qing Xin bedeutet übersetzt so viel wie „grünes Herz“ und dieser Name beschreibt den Charakter dieses Kultivars perfekt. Richtig verarbeitet sind Hochland Oolongs aus diesen Teepflanzen ein Traum sondergleichen.

Dong Ding ist dagegen ein Name, welchen ich meisten meide. Ich weiß das es viele Teetrinker gibt, welche Tee aus dieser Region schätzen und ich will keinem auf die Füße treten wenn ich sage: Tee aus der Region Dong Ding wird von Jahr zu Jahr schlechter. Die Region hat sich einen guten Ruf aufgebaut und ruht sich mittlerweile sehr auf diesem aus. Besonders für seine gerösteten Tees ist die Region bekannt und vieles was aus Dong Ding kommt ist oft nicht mehr so gut wie es früher mal war. Ich höre mich fast schon an wie ein grummeliger alter Opa. Schrecklich! 😉

Die gute Nachricht: dieser Dong Ding stammt aus dem Jahr 2005. Hoffnung! Und das zurecht, denn der 2005 Dong Ding Qing Xin Gui Fei überzeugt mit einer unglaublich (!!) weichen Tasse! Der Tee fühlt sich an, als würde man Seide trinken. Ein wahrlicher Smooth Operator!

Abschließende Worte

Das wunderschöne Blatt des Jin Xuan Oolong

Die Tees zu probieren war durch und durch interessant und ich habe viel über gerösteten Oolong gelernt! Der „Grundcharakter“ eines Tees geht beim Rösten verloren, bzw. wird durch den Röstprozess verändert. Das gibt dem Produzenten noch mal eine andere Möglichkeit, Einfluss auf den finalen Tee zu haben. Dabei entsteht aber auch die Gefahr, den Tee zu vermasseln.

Die Tees von meister Atong Chen sind allesamt wirklich etwas besonderes. Man Merkt das Atong weiß was er tut und ich schätze mal, sein Ruf ist hart erarbeitet! An dieser Stelle noch mal ein dickes Dankeschön an das Teekontor Kiel, ohne die dieser Beitrag gar nicht erst möglich wäre!

get drunk – with (roasted) tea!

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